Babenhausen, so heißt es, das hessische Zentrum für Flugzeugsitze. Eigentlich nur für gebrauchte Flugzeugsitze und nur von einer Airline. Allerdings handelt es sich hierbei um die Lufthansa und die wechselt in ihren aktuell 276 Passagierflugzeugen regelmäßig die Sitze aus. Das geschieht überwiegend bei der nur etwa 40 Kilometer entfernten Lufthansa Technik am Flughafen Frankfurt. Die ausgebauten Sitze, ob nun Economy oder Business, gehen zur Überholung und Instandsetzung nach Babenhausen. Dort warten sie dann auf ihren nächsten Einsatz. Nicht mehr bei der Lufthansa, aber bei vielen anderen Airlines. Technisch und optisch sind die Sitze in einwandfreiem Zustand, nur eben als Gebrauchtteile nur noch etwa ein Drittel so teuer wie ein neuer Flugzeugsitz. Das ist für viele kleinere Airlines aus Europa und Afrika eine lohnende Sache. Keine Sorge, alle wiederverkauften Sitze von Lufthansa besitzen die Zulassung als Flugzeugteile. Genauso wie man beispielsweise Drucksachen vom Fachmann erwirbt, wenn es etwa um Einladungen für die Hochzeit geht, genauso werden die gebrauchten Flugzeugsitze von Fachleuten geprüft, schadhafte oder zu stark abgenutzte Polster, Bezüge oder Füllungen ausgetauscht und eine eventuell defekte Mechanik gewechselt.

 

Allerdings hält sich der Reparaturaufwand in Grenzen. Zum einen, weil Flugzeugsitze schon von Anfang an so gebaut sind, das sie enorm viel aushalten. Zum anderen, weil Lufthansa in sehr kurzen Intervallen die Sitze wechselt. Üblicherweise sind die Sitze nicht älter als 8 Jahre, mitunter auch nur 2 oder 3 Jahre.

 

Neben Airlines können auch Privatpersonen die Flugzeugsitze erwerben und sich im Wohnzimmer oder dem Büro dem Feeling hingeben, über den Wolken zu schweben. Eine Zweierreihe Economysitze schlägt mit rund 300 Euro zu Buche. Einzelsitze gibt es nicht, denn in den großen Passagierflugzeugen sind die Sitzkonstruktionen auf Effektivität getrimmt und mindestens zwei Sitze, überwiegend sogar drei, miteinander verbunden. Als Besonderheit gibt es dann doch den Einzelsitz, montiert auf ein Bürodrehgestell, womit jedoch die Flugzeugzulassung verloren geht. Im eigenen Büro spielt das nun weniger eine Rolle, da dieses in der Regel kaum vom Boden abhebt.

 

Richtig Nobel wird es mit einem Doppelsitz aus der Business Class. Die Bequemlichkeit hat jedoch auch als Gebrauchtmöbel seinen Preis. Knapp 3000 Euro werden dafür verlangt.

Dafür könnte dann etwa das eigene Heimkino eine wirklich exklusive Ausstattung erhalten und die Angst, dass bei einem Videomarathon das Sitzfleisch leidet, ist bei diesen Sitzen völlig unbegründet. Langstreckenflüge mit 10 oder 12 Stunden Dauer lassen sich in einem Business Class Sitz ohne irgendwelche Beschwerden überstehen. Allerdings kommt über den Wolken mit schöner Regelmäßigkeit eine Stewardess vorbei und fragt nach den Wünschen des Gastes. Ob sich das in der gleichen Weise zu Hause organisieren lässt, steht auf einem anderen Flugplan.